Ronald Kurz und Karin Mosler

Die zunehmende Aufmerksamkeit für Kinder mit Behinderungen ließ immer deutlicher erkennen, dass die sich gegenseitig beeinflussenden somatischen, emotionalen, mentalen und sozialen Probleme bei diesen Kindern und ihren Familien durch medizinische Betreuung allein nicht ausreichend gelöst werden können. Die Not und Hoffnungslosigkeit vieler betroffener Kinder und ihrer Familien drängten nach angemessenen Maßnahmen.

Daher etablierte sich weltweit zusätzlich zur medizinischen Diagnostik und zu den Maßnahmen der TherapeutInnen eine sozial- und heilpädagogische Frühförderung mit Familienbetreuung. Diese sollte so frühzeitig als möglich einsetzen, die Gesamtpersönlichkeit im holistischen Sinne einschließen, in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit  Ärzten und Therapeuten und im familiären Umfeld erfolgen.

Die wissenschaftlichen Grundlagen verschiedener Hirnforscher ( M.J.Guralnik, J.P. Shonkoff, O. Speck, G. Hüther, H. Schick u.a.) weisen darauf hin, dass Behinderung einerseits und entwicklungsfördernde Maßnahmen andererseits vor allem während der ersten Lebensjahre einen signifikanten Einfluss auf die weitere Entwicklung eines Kindes und seines gesamten Lebens haben. Das Fehlen angemessener Informationen an das junge Gehirn und – vice versa- das gezielte und reichhaltige Angebot einschlägiger Fördermaßnahmen sind besonders in den ersten Lebensjahren entscheidend für die späteren Hirnfunktionen sowohl in negativer als auch in positiver Art und Weise.  B.C.T. Towen, A. Trost, J. Kühl und andere Forscher machten die fundamentale Beobachtung, dass es sensible Phasen in den ersten Lebensjahren gibt, in denen Informationen auch in nicht vorprogrammierten Hirnarealen aufgenommen, gespeichert und in das Netzwerk der Hirnfunktionen eingebaut werden können. Viele gesetzte Effekte machen sich erst im späteren Leben bemerkbar. Dies hat für die Förderung von Kindern mit Hirnfunktionsstörungen entscheidende Bedeutung. Dabei kommt es auf die Qualität der übermittelten Informationen an. Darüber hinaus bewiesen K. Sarimski, F.Peterander, M. Spitzer und andere Forscher, dass die Wirksamkeit der Förderprozesse vom emotional stimulierenden Milieu und vom Erfolgserleben abhängen.

Das Hauptziel der sozial- und heilpädagogischen Maßnahmen ist die Förderung des Verhaltens, des Denkens und des Lernens der Kinder. Die Arbeit mit der Familie richtet sich auf die Normalisierung der Bindung zum Kind, auf die Reduktion unangepasster Reaktionen und Erwartungen und der unberechtigten Schuldgefühle, sowie auf die Hinführung des Kindes zu Selbstbewusstsein, Autonomie und sozialer Integration (Inklusion) auf der Basis des Respekts für das Kind als liebenswerte Persönlichkeit.